In diesem Buch wird das sowjetische Kaliningrad untersucht, genauer: seine Architektur, seine Stadtgestalt,und seine Metamorphosen. Das frühere deutsche Königsberg, das von seinen Eroberern wie für ein geheimes Experiment jahrzehntelang abgeriegelt und dem Blick der Weltöffentlichkeit entzogen worden war, machte eine durch sein Schicksal einzigartige Verwandlung durch, die hier zum ersten Mal in Wort und Bildvollständig geschildert wird. Abgetrennt und isoliert von seinen früheren Bewohnern, von seinen politischen, ökonomischen und kulturellen Zusammenhängen und in einen neuen Kontext katapultiert entstand hinter dem Eisernen Vorhang eine verbotene Stadt, deren verborgenes Werden hier nun Schritt für Schritt nachvollzogen wird. Kaliningrad ist eine gleichzeitig typische wie ungewöhnliche, in Armut und Eile aufgebaute, sowjetische Provinzmetropole mit wie zufällig in ihr urbanes Gewebe eingestreuten Relikten preußisch-deutscher Zivilisation, deren architektonische Formen und räumliche Bezüge in Planung und Wirklichkeit Gegenstand dieser Forschung sind. Überdies werden die langfristigen physischen und geistigen Formungsprozesse innerhalb Kaliningrads urbanen Organismus erkennbar gemacht. Dieses Buch macht die Formen der Kaliningrader Architektur aus ihren jeweiligen historischen Bedingungen und Absichten verständlich, bietet Deutungen ihres Ausdrucks und lässt ihre räumlichen Zusammenhänge lesbar und damit erlebbar werden; den oft verklärten und verdammten, jedoch weitgehend unbekannten Erbauern der Stadt wird in Architektura Kaliningrada ein Gesicht und eine Stimme gegeben.